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Die pädagogische Bedeutung des mannschaftlichen Se­gelns, insbesondere des Kuttersegelns

Das mannschaftliche Segeln, insbesondere das Kuttersegeln, ist in mehrfacher Hinsicht für die Bildungs- und Erziehungsarbeit mit jungen Menschen bedeut­sam und wertvoll.

Durch die Auseinandersetzung mit den Naturgewalten lernt ein junger Mensch Einsicht zu gewinnen in Situationen, die frei von jeder Beliebigkeit sind. Von der Sachstruktur der Bedingungen ist ein Zusammenwirken aller Kräfte erforderlich, um mit der jeweiligen Situation angemessen umgehen zu können. Jede eigensin­nige oder unkoordinierte Handlungsweise führt zwangsläufig zum Misserfolg, unter Umständen sogar zu einer Gefährdung des ganzen Fahrzeugs und seiner Besatzung.

Andererseits ist es möglich, fast alle denkbaren Situationen erfolgreich zu beste­hen, wenn jeder die ihm zugewiesene Aufgabe gut bzw. richtig erledigt.

Sicher ist es auch von nicht zu unterschätzender Bedeutung, dass junge Menschen hier Gelegenheit haben, sich mit ihrer Angst auseinanderzusetzen. Ich halte dies für ein äußerst wichtiges, großes Lernfeld. Gekonnter Umgang mit Angst mobi­lisiert Energie, statt zu lähmen, schärft die Sinne, die geistige Wachsamkeit und körperliche Reaktionsbereitschaft, statt zu blindem, panikartigem Handeln zu ver­anlassen.

Ein weiterer Aspekt ist das hohe Maß an Verbindlichkeit jedes Wortes und jeder Aktion, welches für alle Beteiligten jederzeit konkret erlebbar ist. Dieses gilt so­wohl für banale Verrichtungen wie z. B. das Fahren einer Schot oder das Festma­chen des Bootes an einer Anlegestelle, wie auch für die gesamte „dienstliche“ und „nichtdienstliche“ Kommunikation an Bord.

Intentionen, die durch mannschaftliches Segeln verfolgt werden, sind insbeson­dere die hautnahe Vermittlung von Tugenden wie:

  • Verantwortlichkeit
  • Selbständigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Entschlossenheit
  • Zuverlässigkeit
  • Toleranz

Der Kutter ist ein hochmodernes Erziehungsmittel, das Lernen mit allen Sinnen, „learning by doing“ und hohe Motivation miteinander vereinigt. Der ganze Mensch wird in seiner körperlichen, geistigen und seelischen Dimension gebil­det. Der gesundheitliche Wert der Tätigkeit auf dem Wasser ist unbestritten.

Nicht zufällig wird in fast allen Handels- und Kriegsmarinen der Welt inzwi­schen der Wert des mannschaftlichen Segelns erkannt. Dies hat erfreulicherweise dazu geführt, dass wieder eine stattliche Zahl von Großseglern auf den Weltmeeren unterwegs ist. Was hinsichtlich der Bildungsbedeutsamkeit für die Ausbildung künftiger Führungskräfte in der Schifffahrt die Ausbil­dung auf dem Schulschiff ist, kann für unsere hiesigen Verhältnisse in ganz guter Näherung durch die Jugendarbeit auf dem Kutter erreicht werden.

Ich verweise auf die Ausführungen von Kpt. Freiherr von Stackelberg, ehem. Kommandant der „Gorch Fock“, zum gleichen Thema.


Thomas Hantschick"